Qualität in der Forschung

Die Fakultät hat bisher auf eine umfassende Evaluation ihrer Forschung verzichtet und sich auf die quantitative Erhebung verschiedener Forschungskennzahlen beschränkt. Ein Konzept für eine Evaluation, welche den Eigenheiten rechtswissenschaftlicher Forschung genügend Rechnung trägt, wird zurzeit erarbeitet. Es stützt sich u.a. auf die Ergebnisse der seit 2008 schweizweit geführten Diskussion in diesem Bereich.

Erste Erkenntnisse sind anlässlich einer Nationalen Fachtagung im Jahr 2010 erarbeitet und in einem entsprechenden Artikel „Forschungsevaluation in der Rechtswissenschaft: Ausgangslage, Entwicklung und Ausblick“ LeGes (PDF, 351KB) publiziert worden.

Seit 2013 untersucht ein von Swissuniversities finanziertes Forschungsprojekt systematisch Möglichkeiten und Grenzen der Evaluation rechtswissenschaftlicher Forschung. Das Projekt befindet sich inzwischen in seiner Abschlussphase. Die Forschungsergebnisse der ersten Projektphasen sind Anfang 2016 in Buchform im Stämpfli-Verlag publiziert worden. Weitere Ergebnisse dieser Forschung wurden an der Abschlusskonferenz des Programms P3 "Performances de la recherche en sciences humaines et sociales" vom 3. und 4. November in Bern diskutiert.

Ziel der zweiten Projektphase ist es, Evaluationsverfahren und -kriterien in international vergleichender Perspektive genauer zu untersuchen. Dazu wurden Expertinnen und Experten aus 12 europäischen Ländern, welche sich mit der Forschungsevaluation in der Rechtswissenschaft auseinandersetzen, mittels eines umfangreichen Fragebogens zu den normativen Grundlagen und zur Praxis der Forschungsevaluation in ihrem Land befragt. Ein Workshop mit den Expertinnen und Experten im Februar 2017 in Bern hat eine Diskussion und Reflexion der Umfrageergebnisse ermöglicht. Gestützt darauf entsteht ein Sammelband mit Beiträgen der europäischen Experten und Expertinnen zur Forschungsevaluation in ihrem Land und einer vergleichenden Synthese. Dabei steht die Evaluation von rechtswissenschaftlichen Publikationen im Zentrum.   

Eine zentrale Erkenntnis der bisherigen Forschungsarbeiten liegt in der Tatsache, dass sich in Bezug auf die  Forschungsevaluation die rechtswissenschaftliche Forschung in verschiedener Hinsicht grundlegend von anderen Forschungsdisziplinen, etwa den Naturwissenschaften, unterscheidet. Dies wird im Folgenden näher erläutert:

Beschränkte Möglichkeiten bibliometrischer Verfahren

Bibliometrische Verfahren, insbesondere die Zitationsanalyse, Indikatoren wie der Journal Impact Factor oder der H-Index, sind beschränkt tauglich, weil entsprechende vollständige nationale bibliographische Datenbanken fehlen. Hinzu kommt, dass die Bibliothekskataloge der Universitäten nicht miteinander verbunden sind und damit der Forschungs-Output nicht vollständig abgebildet wird. Da zudem in der Rechtswissenschaft kaum auf Englisch publiziert wird, finden die Beiträge nicht Eingang in die internationalen Datenbanken. Im Vergleich mit Forschenden anderer Disziplinen wird damit die Rechtswissenschaft zwangsläufig immer schlechter abschneiden.

Verknüpfung der rechtswissenschaftlichen Forschung mit der angewandten Jurisprudenz

Es gibt keine klare Trennung zwischen juristischen Arbeiten, die der wissenschaftlichen Forschung zuzuschreiben sind und jenen, die zur Rechtspraxis gehören. Forschende der Rechtswissenschaft veröffentlichen ihre Texte sowohl in wissenschaftlichen als auch in nicht wissenschaftlichen Publikationsgefässen. Zudem verfügen auch Rechtspraktizierende über die Kompetenz, in gewissen Evaluationssituationen die Qualität der rechtswissenschaftlichen Forschung zu beurteilen.

Grenzen von Peer Review

Peer Review gilt als das älteste Verfahren der Wissenschaftsevaluation und wird von der Forschergemeinschaft als die tauglichste Möglichkeit der Evaluation von Forschungsleistungen betrachtet, trotz bestehender Vorbehalte. Diese beziehen sich etwa auf den beschränkten Forschungsraum in der Schweiz und die damit verbundene kleine Zahl von Experten und Expertinnen, was für eine umfassende Praxis des Peer Review nicht förderlich ist. Die Forschenden kennen die wichtigen Publikationen ihres Expertengebietes. Zudem ist das wirkungsvolle double-blind Peer Review, bei dem sowohl Gutachtende wie Begutachtete anonym bleiben, in der Schweiz wenig verbreitet.

Die Untersuchung hat interessanterweise auch gezeigt, dass bei der Diskussion um die Entwicklung von Verfahren zur Evaluation von Forschungsleistungen dem Umstand zu wenig Rechnung getragen wird, dass sich für bestimmte Forschungsleistungen schon seit langem etablierte Evaluationssysteme entwickelt haben, so etwa bei der Begutachtung von Dissertationen und Habilitationen oder bei Ernennungs- und Beförderungsverfahren.